Kategorie-Archiv: Online Scheidung

Was hat der Rechtsanwalt von einer online Scheidung?

Online- Scheidung ist Gewinnmaximierung für den Anwalt

Wenn Sie bei Google dem Begriff Online Scheidung eingeben, erhalten Sie eine Vielzahl von Angeboten. Wenn Sie eine der Seiten anklicken, bekommen Sie ausführlich erklärt, welche Vorteile eine Online Scheidung für sie hat.
Manchmal sieht man klarer, wenn man eine Frage umdreht: Stellen wir also die Frage, was die Rechtsanwälte, die dort annoncieren, von einer online Scheidung haben.

Online-Scheidung gibt es nicht.

Die Frage wird noch drängender, wenn man überlegt, dass man versucht, ihnen ein „Produkt“ zu verkaufen, dass es tatsächlich nicht gibt. Die „online Scheidung“ gibt es nur in der Presse und im Internet, nicht jedoch in der Realität der deutschen Justiz. Die deutsche Justiz macht alles entweder mündlich oder schriftlich, elektronische Sachbearbeitung kommt faktisch nicht vor.

Vorteil: Die Anwälte verdienen mehr Geld.

Wenn Sie die Angebote genau studieren, werden Sie feststellen, dass Wert darauf gelegt wird, dass die Scheidung einverständlich sein soll. Damit zielen die Anwälte auf das Topsegment des Marktes, nämlich die Scheidungen, die einerseits die wenigste Arbeit machen und andererseits das meiste Geld bringen. Diese Mandanten habe nämlich häufig schon ihr Vermögen aufgeteilt, möglicherweise einen Ehevertrag geschlossen, den Unterhalt geregelt et cetera.

Im Endeffekt muss der Anwalt nur einen Scheidungsantrag aus dem Computer fertig machen und einen Termin wahrnehmen. Da diese Sorte Mandanten häufig auch relativ gut verdienen, kommen schnell Honorare zwischen 1000 und 2.000 € zustande.

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator Kurt Schulte Herbrüggen in 47249 Duisburg. Münchener Strasse 78, Telefon: 0203 77 27 97

5 Punkte, die Sie bei eine Online-Scheidung bedenken sollten

Was spricht für oder gegen eine Online-Scheidung?

1. Online-Scheidung ist billiger.Nein, das stimmt nicht. Alle Anbieter sind entweder Anwälte oder Firmen, die Anwälte vermitteln. Anwälte sind gesetzlich verpflichtet, nach den Vorschriften des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes abzurechnen. D.h., jede Scheidung kostet überall das gleiche. Deshalb bekommen Sie immer auch nur einen „unverbindlichen“ Kostenvoranschlag angeboten. Und da niemand am Anfang des Verfahrens weiß, wie das Gericht am Ende des Verfahrens den Streitwert festsetzen wird, kann es auch durchaus Differenzen bei diesen Kostenvoranschlägen geben.

2. Online-Scheidung geht schneller. -Nein, auch das stimmt nicht. Der elektronische Verkehr mit den Gerichten steht erst am Anfang. Immer noch werden die meisten Vorgänge per Post abgewickelt. Viele Anwälte wickeln den Postverkehr ihrer Mandanten bereits jetzt per E-Mail ab, das ist also nichts besonderes.

3. Die Online Scheidung ist ideal für den Anwalt, nicht für den Mandanten. Der Anwalt bleibt für den Mandanten praktisch anonym. Dies hat für den Anwalt den Vorteil, dass der Anwalt “sich den Mandant vom Leibe halten kann“. Der kann nicht plötzlich in der Kanzlei stehen und verlangen, den Anwalt kurz sprechen zu wollen. Viele Dinge können per E-Mail durch nichtjuristisches Personal erledigt werden, die sonst der Anwalt selbst machen müsste, weil der Mandant ja vor ihm sitzt und ihm zusieht. Viele Fragen wird der Mandant nicht stellen, weil er dazu eine E-Mail schreiben müsste. Er wird stattdessen versuchen, sich anderweitig zu informieren.

4. Sie haben keinen persönlichen Kontakt zu ihrem Anwalt. Viele Mandanten wollen das auch nicht, weil sie schlechte Erfahrungen mit Anwälten gemacht haben, die nicht auf Ihre Person und ihren Fall eingegangen sind. Sie müssen sich aber darüber im klaren sein, dass sie mit der Beauftragung eines Online-Rechtsanwaltes sich der Möglichkeit berauben, intensiv persönlich beraten zu werden. Durch das Internet sind die Möglichkeiten, sich über den Anwalt Ihrer Wahl vorab zu informieren, weit größer und besser geworden. Dadurch ist auch die Chance, bei der Wahl des Anwaltes danebenzugreifen, erheblich geringer geworden.

5. Die Schwierigkeiten vervielfältigen sich, wenn aus ihrer anfänglich einverständlichen Scheidung eine streitige Scheidung wird. Das ist häufiger der Fall als man denkt. Dann wird die Kommunikation mit dem Anwalt womöglich so schwierig, dass ein Anwaltswechsel erforderlich wird. Dann ist die Online-Scheidung nicht nur nicht billiger, sondern sie wird erheblich teurer.

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator Kurt Schulte Herbrüggen in 47249 Duisburg. Münchener Strasse 78, Telefon: 0203 77 27 97

 

 

Betrügen Familienrechtsanwälte?

Familienrechtsanwälte: alle kosten gleich viel

In einem recht informatven Video auf Youtube, dass die Online-Scheidung betrifft, kommt auch ein Vertreter einer Firma zu Wort, die ein Scheidungsportal betreibt. Interessant ist seine Äußerung, die Firma bekäme angeblich wöchentlich Telefonate von Leuten mit der Aussage, der “unverbindliche” Kostenvoranschlag der Online-Scheidung-Firma sei erheblich niedriger als der eines Anwalts  (wörtlich: “Familienrechtsanwälte”).  Man könne bis zu 50% sparen.

Das ist die alte Leier, Online Scheidung sei billiger. Kein Wort ist davon wahr, was das Video auch klarstellt.

Wie schlecht muß es dieser Branche gehen, dass sie permanent und penetrant mit Unwahrheiten wirbt und sogar behaupten läßt, andere würden falsch abrechnen, also betrügen?

Hier ist das Video.

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator Kurt Schulte Herbrüggen in 47249 Duisburg. Münchener Strasse 78, Telefon: 0203 77 27 97

 

 

 

Online-Scheidung: Es wird geschummelt, was das Zeug hält

Da gibt es ein sogenanntes “Portal” (ich lasse den Namen mal weg) für sogenannte Online-Scheidungen.

Da wird mit allen Mitteln so getan, als ginge eine “Online-Scheidung” schneller. Juristen sind geübt darin, Leute, die Spitzfindigkeiten nicht gewohnt sind, hinters Licht zu führen ( Beispielsweise: “in der überwiegenden Zahl  der Falle= 50,01 %).

Da heißt es:

1. Wie lange dauert eine Scheidung normalerweise?

In den meisten Fällen dauert eine Scheidung zwischen 8 und 12 Monaten. Im Einzelfall kann die Scheidung auch länger oder kürzer gehen.

Zeit braucht die Scheidung vor allem dann, wenn ein Ehepartner sich mit dem Ausfüllen der Unterlagen zum Versorgungsausgleich viel Zeit lässt. Auch die von Ort zu Ort unterschiedliche Auslastung der Familiengerichte spielt bei der Dauer eine Rolle.

Man behauptet irgendetwas, um dann so zu tun, als sei man schneller. Tatsächlich ist es so, dass einverständliche Scheidungen etwa 6-8 Monate (Tendenz beim Familiengericht Duisburg: erheblich schneller)  und nicht 8-12 Monate dauern. Das hängt im wesentlichen von  Faktoren ab, die von keinem Anwalt zu beeinflußen sind:

  • der Schnelligkeit des Gerichts (Themen: unbesetzte Geschäftstellen, Schnelligkeit des Richters etc.);
  • der Schnelligkeit der Versorgungsträger (Themen: Zahl der auszugleichenden Anwartschaften, ungeklärte Versicherungskonten, fehlende Unterlagen etc.);
  • und schließlich, dass zugestellt werden muß, Fristen zur Stellungnahme eingeräumt werden müssen etc.

Da man Jurist ist, hält man sich die Hintertür offen: ” im Einzelfall auch schneller” – Nein: im Normalfall schneller!

Außerdem stellt sich natürlich die Frage, warum gerade bei  einer einverständlichen Scheidung, nur darum handelt es sich bei sogenannten “Online-Scheidungen”, sich der andere Ehepartner besonders viel Zeit beim Ausfüllen der Versorgungsausgleich-Formulare nehmen sollte. Er will doch auch so bald wie mnöglich geschieden werden, oder?

Dann wird es ganz übel:

2. So sparen Sie bis zu 3 Monate Zeit

Abgekürzt werden kann die Scheidung z.B., wenn kein Versorgungsausgleich durchgeführt wird. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:

a) Im Scheidungsverfahren wird die Genehmigung des Gerichts zum Verzicht auf den Versorgungsausgleich mit beantragt. Neben dem Gericht muss auch der andere Ehepartner dem Verzicht zustimmen. Hierfür braucht er einen eigenen Anwalt, spätestens zum Scheidungstermin. Das Gericht genehmigt normalerweise den Verzicht auf den Versorgungsausgleich nur, wenn
• die Ehe von kurzer Dauer war (einige Monate bis wenige Jahre) und
• beide Eheleute während der Ehe ungefähr gleich viel verdient haben

Der Verdienst der Eheleute wird zweckmäßigerweise mit einem Einkommensteuerbescheid erbracht. Gibt es noch keinen Einkommensteuerbescheid, so können auch Verdienstbescheinigungen oder Buchungsunterlagen vorgelegt werden.

b) Die zweite Möglichkeit, auf den Versorgungsausgleich zu verzichten besteht darin, ihn. beim Notar auszuschließen. Eine einfache schriftliche Vereinbarung, also ohne den Notar, genügt nicht. Damit diese Urkunde wirksam in einem Scheidungsverfahren vorgelegt werden kann, ist aber eine Wartezeit von einem Jahr vorgesehen.

Es steht nirgendwo, es wird nur durch den örtlichen Zusammenhang nahegelegt, als habe der Ausschluß des Versorgungsausgleiches mit der Online-Scheidung zu tun. Stimmt nicht!

Ganz schlimm sind die Sätze:” Die zweite Möglichkeit, auf den Versorgungsausgleich zu verzichten besteht darin, ihn. beim Notar auszuschließen. Eine einfache schriftliche Vereinbarung, also ohne den Notar, genügt nicht. Damit diese Urkunde wirksam in einem Scheidungsverfahren vorgelegt werden kann, ist aber eine Wartezeit von einem Jahr vorgesehen.”

Offenbar hat seit dem 01.09.2009 bei diesem Portal keiner mehr eine Ehescheidung beantragt, denn die Vorschrift, wonach eine Wartezeit von einem Jahr einzuhalten ist, ist schon seit zwei Jahren aufgehoben!

Ein dreifaches HIpp-Hipp-Hurrah für die kompetenten Online Anwälte!

 

Ein Besuch bei Europas größtem unabhängigen Scheidungsportal

Heute machen wir mal einen Besuch bei (nach eigener Werbung) “bei Europas größtem unabhängigen Scheidungsportal” und schauen uns diese Seite an.
Dort wird ein bestimmter Preis genannt, 586,08 €. Dieser Preis beruht darauf, dass der Betreiber angeblich mit allen Mittel versucht, den Streitwert herabsetzen zu lassen, um die Scheidung billiger zu machen. Zitat:
” Voraussetzungen für diesen Preis sind:

* Ein Ehegatte hat ein Nettoeinkommen von Euro 1.500,–, der andere Ehegatte versorgt den Haushalt oder ist HARTZ IV Empfänger.
* Es handelt sich um eine einvernehmliche Scheidung. Wir beantragen zudem eine Reduzierung des Streitswertes um 30%.
* Die Ehegatten haben ein gemeinsames, minderjähriges Kind. Hierfür werden Euro 250,– abgezogen.”

Stimmt nicht, wenn man nämlich danach gehen würde, käme Folgendes heraus:
Monatliches Nettoeinkommen 1.500 € x 3 = 4.500 € + 1.000 € mindestens für den Versorgungsausgleich= 5.500 € – 30% (1.650 € )= 3.850 € – 250 € für ein Kind = 3.600 €.
Bei 3.600 € betragen die Anwaltskosten allein 752,68 € und nicht 586,08 €.
Der Trick: Die angebliche Abzieherei ist nur ein Versuch, sich als Sparweltmeister darzustellen. Tatsächlich würde das Gericht den Streitwert auf 3.000 € festsetzen, weil eine der Parteien Hartz 4 bekommt (2.000 Mindeststreitwert für die Scheidung + 1.000 € für den Versorgungsausgleich). Da kommen dann auch tatsächlich 568,08 € heraus.

Fazit: Zwar nicht gelogen, aber auch nicht wirklich die Wahrheit gesagt.

Warum: Irgendwie hat sich beim rechtssuchenden Publikum die falsche Vorstellung festgesetzt, Online-Scheidung sei billiger. Das stimmt nicht, diese Vorstellung soll aber mit allen Mitteln aufrechterhalten werden. Daher diese Rechnerei.

Anmerkung: Den Streitwert setzt nicht der Anwalt fest, sondern das Gericht!

Ein nettes Detail zum Schluß:

Da heißt es:

“Woanders preisgünstiger ? –
Das kann normalerweise nicht sein

Wenn Sie woanders einen Kostenvoranschlag erhalten haben,
der noch geringere Kosten angibt, so bitten wir um Zusendung des Kostenvoranschlags.”

Das ganze läuft unter dem Titel:

“Ihre Easy-Divorce Kleine-Preis-Garantie”

Wohlgemerkt: Man sagt nicht zu, dann für diesen Preis zu arbeiten.

Der Grund: Es ist  keine wirkliche “Kleine-Preis-Garantie”, weil es keinen “kleinen” Preis gibt, da die Scheidung bei jedem Anwalt das gleiche kosten muß. Sollte irgendein Anwalt sich nicht daran halten, wird er von unserem Easy-Divorce-Kleine-Preise-Garantie-Preisdrücker wahrscheinlich prompt eine Abmahnung erhalten.

Wieder nur ein Werbe-Trick: keine Preisgarantie, sondern ein Versuch, mit Ihrer Hilfe (zugegeben:illegale) Konkurrenz platt zu machen.