Kategorie-Archiv: Tipps um die Scheidung zu überleben

Tipps um die Scheidung zu überleben # 5: Ihr Anwalt ist nicht Ihr Freund

Ihr Anwalt ist Ihr bester Freund

In dem Blog-Artikel, der der Anstoß für meine Serie über das Überleben in der Scheidung war, heißt es:
“First things first hire a lawyer.  A lawyer will be your best friend for how ever long you divorce is active.  A lawyer can act in your favor as a mediator or in the long run as your defender.  Listen to their advice and do not question them they do not like it.  Let them do there job just like when your at work or caring for your child you do not want anyone telling you your not doing it right.”

Ich übersetze mal frei:

“Das Wichtigste zuerst: Nimm Dir einen Anwalt. Der Anwalt wird Dein bester Freund sein solange die Scheidung läuft. Der Anwalt kann zu Deinen Gunsten als Mediator tätig sein oder auf lange Sicht als Dein Verteidiger. Höre auf Ihren Rat und hinterfrage ihn nicht, sie mögen das nicht. Lass sie ihre Arbeit machen genauso wie bei Deiner Arbeit oder der Erziehung Deines Kindes Du es nicht magst, dass man Dir sagt, wie man es richtig macht.

Ich lasse mal alles andere weg und konzentriere mich auf den schlimmen Satz: “Der Anwalt ist Dein bester Freund..”.


Ist er nicht.


1. Man sollte sich immer klar darüber sein, dass der eigene Anwalt auch eigene Interessen vertritt, zum Beispiel finanzielle.
Das wird klar bei Vergleichen: dafür gibt es eine extra Gebühr, die sich bei außergerichtlichen Vergleichen noch erhöht. Dies  bedeutet, dass der Anwalt ein eigenes finanzielles Interesse hat, eine Sache gütlich beizulegen. (Deswegen hat der Gesetzgeber die Gebühr ja überhaupt eingeführt.)

Dagegen ist nichts zu sagen, das kann aber zu faulen Kompromissen führen.

Meiner Meinung ist eines der wichtigsten “Pfunde”, mit denen man in einer Verhandlung “wuchern” kann, die Fähigkeit, “Nein” sagen zu können. Das ist schwierig für jemand, der mühelos Geld verdienen kann, wenn er nur “Ja” sagt.
Berücksichtigt man ferner, dass auch  Richter ein Interesse daran haben, Vergleiche zu schliessen, u.a. deshalb, weil sie dann kein Urteil schreiben müssen, kann eine Verhandlungsposition schon erheblich beeinträchtigt sein und das Ergebnis dadurch suboptimal werden.
Ich finde das wichtig zu sagen, weil ich in einem Land lebe, wo die meisten Kunden glauben, ihre Bank berate sie uneigennützig und “kostenlos”. Genausowenig wie meine Bank mein Freund sein kann, kann  mein Anwalt mein Freund sein.

Fazit: Ihr Anwalt ist ein genauso uneigennütziger Freund wie ein Banker, der seinen Bonus verdienen will.

Selbst wenn tatsächlich mein bester Freund Anwalt wäre, würde ich ihn nicht als Scheidungsanwalt nehmen. Man muß unterscheiden zwischen Freundschaft und Sympathie.
Dass einen der eigene Anwalt ekelt, soll natürlich nicht sein. Eine gleiche Wellenlänge ist gut. Gegenseitiger Respekt ist gut.
Unabhängigkeit des Urteils ist wichtig und Freundschaft stellt diese Unabhängigkeit in Frage. Ich gebe zu, die Unetrscheidung ist schwierig: Von einem Freud erwarte ich Unterstützung und nicht kritische und unabhängige Distanz. Die muß aber ein guter Berater haben.
Mein wichtigstes Kriterium ist: man muß sich streiten können. Ich streite gerne mit meinen Mandanten, weil ein Streit -kein Krach!- zu Klarheit des Urteils, zum Verstehen der Position des anderen und dessen, was ihm wichtig ist, zu neuen Aspekten und Lösungen führt, zu einer Linie, die gemeinsam vetreten wird.
Fazit: Wenn Sie mit Ihrem Anwalt persönlich klarkommen und Sie wissen, warum etwas passiert und Sie das erklärt bekommen, sind Sie optimal bedient.

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator Kurt Schulte Herbrüggen in 47249 Duisburg. Münchener Strasse 78, Telefon: 0203 77 27 97

Tipps um die Scheidung zu überleben #4: Sie brauchen einen Anwalt als Berater

Die  wichtigste Funktion des Anwalts ist die des Beraters

Das ist die Empfehlung eines Anwaltes, Sie dürfen Sie also skeptisch sein. Die Empfehlung ist aber richtig.

Es gibt vielleicht eine Ausnahme: Es gibt wirklich einverständliche Scheidungen, bei denen ein zweiter Anwalt eine wirklich überflüssige Geldausgabe wäre. Es reicht ein Anwalt, um dem gesetzlichen Erforderniss zu genügen, dass  der Scheidungsantrag von einem Anwalt eingereicht werden muss. Alles andere haben Sie unter sich geregelt.

In allen anderen Fällen, also denen, in denen irgend etwas zwischen den Eheleuten streitig ist, brauchen Sie einen Anwalt.

Sie sind sonst der Gegenpartei hoffnungslos unterlegen. Es gibt Statistiken, wonach anwaltlich nicht vertretene Parteien signifikant schlechter bei Gericht abschneiden als anwaltlich vertretene.
Es gibt keine Alternative zum eigenen Anwalt. Damit meine ich zum Beispiel andere Berater wie Familie, Arbeitskollegen, Freunde. Ich merke häufig, das diese Beratung “im Hintergrund mitläuft”. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, weil jeder in einer derart schwierigen Situation sich nach allen Seiten rückzuversichern versucht. Das ist nur menschlich. Es kann auch nützlich sein.
Häufig arbeiten diese (nichtjuristischen) Berater aber mit Analogieschlüssen, die extrem gefährlich sind, weil unzulässigerweise von einem Fall auf den anderen geschlossen wird. Klassiker ist die vorwurfsvolle Beschwerde an den Anwalt: “Meine Freundin war aber in 3 Wochen geschieden, warum dauert meine Scheidung so lange?”
Hier kann man nur sagen: Es werden  Äpfel mit Birnen verglichen. Um einige Obstsorten zu nennen: anderes Gericht, anderer Richter, Kinder / keine Kinder, Ehevertrag ja/nein, Versorgungsausgleich ja /nein (oder beliebt: Anwartschaften in der polnischn Rentenversicherung) etc etc. Jeder einzelne dieser Faktoren kann zu einer beträchtlich längeren Scheidungsdauer führen.

Man sollte sich also fragen: gibt mein “externer Berater” mir allgemeine Ratschläge, dann können  Sie die selbst bewerten und eine andere Sichtweise ist immer interessant für die eigene Entscheidungsfindung -auch deshalb brauchen Sie ja  einen Anwalt als Berater-, oder behauptet er als Nicht-Jurist juristisches Wissen, – dann ist  Skepsis angesagt.

(Übrigens: entgegen der landläufigen Meinung ist kein Anwalt an einem langen Verfahren interessiert, im Gegenteil. Er verdient am meisten, zumindest was das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag betrifft, bei einem “kurzen und knackigen” Verfahren. Und glauben Sie mir, Zeit ist für Anwälte Geld. Was anderes ist es natürlich, wenn Sie ihn nach geleisteten Arbeitsstunden bezahlen.)

Noch ein Tipp: Sie können sich beraten lassen, ohne dass ihr Anwalt Sie im Scheidungsverfahren vertritt. Beispiel: Sie haben ein Problem mit einer gemeinsamen Immobilie. In diesem Punkt berät oder vertritt Sie Ihr Anwalt. Dann besteht keine Notwendigkeit, dass es Sie auch im Scheidungsverfahren vertritt. (Es gibt natürlich Ausnahmen, z.B.  immer dann, wenn dieser Punkt im Scheidungsverfahren als “Folgesache” anhängig wird.)

Sagen Sie im Zweifel einfach nein, wenn er Ihnen eine Prozeßvollmacht vorlegt.

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator Kurt Schulte Herbrüggen in 47249 Duisburg. Münchener Strasse 78, Telefon: 0203 77 27 97

 

Tipps die Scheidung zu überleben -Kommentar zum Kommentar-

Der Kollege Hänsch aus Dresden hat meine kleine Serie “Tipps um die Scheidung zu überleben” kommentiert. Er hat es sehr schön und in Deutsch auf den Punkt gebracht (der Blog-Artikel. der mich auf die Idee gebracht hat, ist in Englisch).

Allenfalls die Reihenfolge ist zu kritisieren. Als Anwalt kann ich natürlich nichts dagegen haben, “Beauftrage einen Anwalt!” an die erste Stelle zu setzen.

Dann würde aber kommen: “Benutzt NIEMALS die Kinder als Werkzeug!”

Tipps die Scheidung zu überleben # 3: Rosenkrieg? – lieber zivilisiert bleiben.

“The War of the Roses” ( deutsch “Der Rosenkrieg”).

Im Englischen ist das eine Art Wortspiel, weil die Familie “Rose” heißt und Rosenkrieg die Bezeichnung für einen englischen Bürgerkrieg der Feudalzeit ist, der zwischen den Häusern Lancaster und York ausgetragen wurde. Im Deutschen macht Rosenkrieg wenig Sinn, ist aber die Bezeichnung für eine erbittert geführte eheliche Auseinandersetzung geworden.

„Eine zivilisierte Scheidung“, meint der Anwalt des Ehemanns (gespielt von Danny de Vito -ich liebe ihn-) in der Rückschau, „ist ein Widerspruch in sich selbst… Wir kommen aus dem Schmutz. Und nach 3,8 Billionen Jahren Evolution sind wir letztlich noch immer genau dort. Niemand kann Scheidungsanwalt sein und das bezweifeln.“

Das ist Hollywood, gibt aber das Stichwort vor: “Zivilisiert”.

Versuchen Sie eine zivilisierte Scheidung.

Ich weiß, dass das schwierig ist, vielleicht auch manchmal unmöglich. Ich weiß, dass es Ehegatten gibt, denen wirklich alles zuzutrauen ist.  Eine Anwältin  bringt ihren Ex um, Kinder werden ins Ausland gebracht, Dinge werden mutwillig zerstört. Es gibt einen Grad der Eskalation, der für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar ist, wo Leute akzeptieren, dabei draufzugehen, wenn nur der andere auch dabei draufgeht.

Aber selbst, wenn diese Eskalation droht oder bereits im gang ist:

Versuchen Sie, zivilisiert zu bleiben. Damit meine ich konkret: vergelten Sie nicht Gleiches mit Gleichem. Machen Sie gleichbleibend souverän und beharrlich ein Angebot, sich wie Menschen (nämlich wie das Ergebnis von 3,8 Milliarden Jahren Evolution) zu verhalten.

Beispiel: Wenn das Besuchsrecht nicht funktioniert, liegt das nicht daran, dass sowas nicht zu handeln ist, sondern daran, dass man nicht will.

Hören Sie auf damit, regieren Sie cool. Beschimpfen oder verwünschen Sie nicht den andere Elternteil vor den Kindern. (Selbst mißhandelte Kinder lieben den Elternteil, der ihnen das antut.) Ich laß neulich in einem Scheidungsforum die Frage, ob eine Frau dem Ratschlag ihrer besten Freundin folgen solle und den Kindern mal sagen solle, was für ein Arschloch ihr Vater sei.

Mein Rat –  lassen Sie es!

Denken Sie an ihre Kinder.

Sie leiden nicht  unter der Trennung selbst, sondern im Prinzip unter dem Verhalten der Eltern, auch ihrem Verhalten. Sie laufen deshalb nicht weg, obwohl sie das gerne tun würden, weil sie Ihr Verhalten so toll finden, sondern weil sie nirgendwo hinlaufen können.

Denken Sie an sich selbst.

Wenn Sie Ihren Kindern ein Vorbild sind, wie man sich zivilisiert verhält, werden Sie langfristig sogar Vorteile davon haben. Kinder bekommen mehr von der Situation mit als Erwachsene denken.

Überlegen Sie mal: Es besteht die Gefahr, dass Sie in der Pubertät den scheidunggeschädigten psychischen Krüppel allein am Bein haben, und das macht dann keinen Spaß mehr. Und Sie haben dann noch nicht einmal alle 14 Tage ein ruhiges Wochenende, weil die Beziehung zum anderen Elternteil abgebrochen ist.

Und Ihre neue Beziehung geht deswegen in die Brüche.

Ein bischen Triebverzicht jetzt bringt langfristig mehr.

Ich meine nicht: wenn Sie die Faust  auf die linke Backe bekommen, dass Sie auch noch die rechte hinhalten sollen. Ich meine, dass Sie auf die nächste Eskalationsstufe verzichten sollten, beharrlich Angebote machen, ruhig zu bleiben, gerade nicht auch das tun, was der andere macht.

Im Prinzip: höflich bleiben. Ich weiss, das das eine fast vergessene Kunst ist.

Probieren Sie es mal an einem harmlosen Objekt aus: Höflichkeit ist enorm entwaffnend und de-eskalierend.

Meine Erfahrung als Scheidungsanwalt: Die allermeisten Scheidungen laufen zivilisiert ab.

Tipps um die Scheidung zu überleben #2: mit Ihrem Anwalt sprechen

Eine Scheidung ist in den meisten Fällen eine schwierige und belastende Angelegenheit. Nun gut, es gibt immer wieder einmal den Fall, dass die Leute schon seit Jahren getrennt leben, keine Kinder haben und der Anwalt den oder die Mandantin zweimal sieht: beim ersten Gespräch in der Praxis und beim Scheidungstermin.

In allen anderen Fällen erlebe ich aber immer wieder, dass der ganze Vorgang eine höchst verwirrende und undurchschaubare Sache für die meisten Beteiligten darstellt. Nach dem ersten Beratungsgespräch stellen sich offenbar bereits auf dem Heimweg weitere Fragen ein oder man stellt fest, dass man die Sache doch nicht so gut verstanden hat wie man zunächst glaubte.

Es gibt eine bestimmte Sorte Mandanten, die ich sehr gerne habe, weil ich in den ersten zwei Minuten sehe, dass die Zusammenarbeit mit ihnen erfolgreich sein wird. Das sind die, die mit einem Block oder Notizbuch anrücken und systematisch eine Frage nach der anderen stellen. Häufig merkt man, dass sie sich schon an anderer Stelle informiert haben. Sie wollen jetzt von mir wissen, ob sie alles richtig verstanden haben und ob sie noch etwas übersehen haben oder wissen müßten.

Wer sich diese Arbeit macht, hat den Grundstein für eine erfogreiche Prozeßführung gelegt.

Besonders wichtig ist dabei das persönliche Gespräch: gerade weil das Thema so komplex, fremdartig und verwirrend ist, ist das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht so wichtig. Man sieht als Anwalt am Verhalten des Mandanten, an der Körpersprache, wo Erklärungsbedarf ist. Viele Mandanten wollen ja nicht direkt zugeben, dass sie etwas nicht verstanden haben, um nicht “doof” zu erscheinen. Denen kann man dann sanft aus diesem Dilemma helfen.

Fazit: Fragen aufschreiben, um besser vorbereitet zu sein. Antworten aufschreiben, um das Verständnis zu vertiefen.

Auch ich selbst arbeite nicht anders: ich notiere mir jedes wichtige Detail im Computer (übrigens mit Hilfe des Programms Tinderbox) und habe am Ende dann (hoffentlich) den Sachverhalt und das Verfahren im Griff.