Familienrecht und Rechtsschutz

Brauchen Sie überhaupt eine Rechtsschutzversicherung?

Ein klares “JA”: Wer Auto fährt, sollte unbedingt auch eine Rechtsschutzversicherung (RSV) haben. Dies ist der Lebensbereich, wo das Schadensrisiko am höchsten ist. Ein Auto kostet schnell 25.000,00 EUR. Wenn Sie um diesen Betrag oder auch nur um die Hälfte prozessieren müssen, ist das Prozessrisiko enorm. Eine Verkehrs-Rechtschutzversicherung  sollte also immer “mit drin” sein.

Hier können Sie ausrechnen, was Sie ein Prozess um 25.000 € kosten könnte.

Im Familienrecht gibt es im Normalfall nur Beratungs-Rechtsschutz

Die Rechtschtzversicherer bieten Beratungsrechtschutz für Familienrecht an. Dieser ist häufig in den Policen unter Familien- und Privatrechtsschutz enthalten.

Wenn Sie sich auf diesen Gebieten beraten lassen wollen, prüfen Sie also, ob Sie Versicherungsschutz haben. Rufen Sie im Zweifel den Versicherer an.

Im Normalfall sind Prozesse in Familiensachen nicht versichert. Es gibt Ausnahmen, es gibt auch Rechtsschutz für Scheidungen der ARAG und anderer Versicherer. Die Scheidungsrate ist hoch, so hoch aber auch nicht. Wenn Sie die durchschnittliche Ehedauer von 14 Jahren als Maßstab nehmen, lohnt eine solche Versicherung wahrscheinlich nicht.

Wie kann man klären, ob Versicherungsschutz besteht?

Dies können Sie ganz einfach selbst tun, indem Sie bei Ihrem Versicherer anrufen und dies telefonisch klären. Häufig wird man Ihnen eine sogenannte Schadensnummer geben. Dies vereinfacht die Abwicklung der Abrechnung mit dem Versicherer. Anwälte  können dann direkt und ohne weitere Umstände mit diesem abrechnen.

Es muss ein Versicherungsfall vorliegen.

Sie können nicht zum Anwalt gehen und fragen, wie das so wäre, wenn Sie sich scheiden lassen würden. Es muss ein konkreter Versicherungsfall vorliegen, z.B. der andere ist ausgezogen. Am Vorliegen bzw. Nicht-Vorliegen eines Versicherungsfalls scheitert häufig die Deckungszusage der Versicherung.

Es kommt darauf an, wer Versicherungsnehmer ist.

Die Rechtsschutzversicherer zahlen nicht, wenn sich die Beratung gegen den eigenen Versicherungsnehmer richtet. Beispiel: Ist der Ehemann, der die Versicherung abgeschlossen hat,  ausgezogen, bekommt  die Ehefrau keine Beratung gezahlt, sondern nur der Ehemann, der Versicherungsnehmer.

Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

Eine Rechtschutzversicherung des Mandanten ist für den Anwalt häufig erfreulich. Für Sie kann es aber ganz schön teuer kommen. Ein Preisvergleich lohnt sich daher. Außerdem sollten Sie beachten, dass die Marktführer im Zweifel nicht so kulant sind wie Versicherungen, die noch etwas werden wollen.

Ihr Versicherungsvertreter verkauft Ihnen natürlich gerne eine Komplettversicherung. Die ist dann auch teuer. Überlegen Sie gut, ob Sie diese wirklich brauchen. Sollten Sie wirklich einmal im Leben einen Finanzgerichtsprozess führen, können Sie den wahrscheinlich auch selbst bezahlen.

Wirklich wichtig ist in meinen Augen ausschließlich der Verkehrsrechtsschutz.

Was sollten Sie sonst noch beachten?

Weiter sollten Sie die Höhe eines Selbstbehalts berücksichtigen.

Beratungen sind häufig gar nicht so teuer, zumal hier die Konkurrenz groß und die Honorare freigegeben sind. (Richtig teuer werden nur Prozesse.)  Das Honorar des Anwalts wird deshalb häufig unter dem vereinbarten Selbstbehalt liegen, Sie zahlen also doch selbst.

Sie können überlegen, ob Sie zunächst nur eine Verkehrs-Rechtsschutzversicherung abschließen und diese später erweitern. In vielen Fällen merkt man ja schon vorher, dass es zu einem Konflikt kommen könnte, beispielsweise mit dem Arbeitgeber und kann dann den Umfang der Versicherung auf Arbeitsrecht erweitern.

Aber Achtung: Wenn der Schadensfall schon eingetreten ist, ist es dafür zu spät. Außerdem gibt es häufig Karenzzeiten.

Was ist versichert?

Es ist auch durchaus nicht “alles” versichert, selbst wenn der Versicherungsvertreter Ihnen etwas anderes erzählt. Erkundigen Sie sich genau vor Vertragsabschluss.

Wie gesagt: im Familien- (und Erbrecht) ist häufig nur die Beratung  (und nicht “alles”) versichert.

Wie lang gilt die Versicherung?

Auch wenn Ihre Rechtsschutzversicherung oder Sie den Vertrag gekündigt haben, kann durchaus noch Deckung bestehen, nämlich dann, wenn das Schadensereignis in die Versicherungszeit fällt. Also aufgepasst!

Zu welchem Anwalt können Sie gehen?

Beachten Sie: die Versicherung wird häufig versuchen, Sie zu einem bestimmten Anwalt zu lotsen. Grund ist, dass die Versicherung mit diesem Anwalt anders (billiger) abrechnet als mit dem Anwalt, den Sie sich selbst aussuchen.

Manche Versicherungen bieten auch eigene Rechtsanwälte oder telefonische Beratung an. Es entfällt dann oft die Selbstbeteiligung. In den Fällen, in denen ich davon erfahren habe, dass mein Mandant eine solche Beratung in Anspruch genommen hat, hat die Versicherung in keinem Fall einen Anwalt benannt, von dessen Existenz ich bis dahin etwas wußte.

Dass diese Anwälte Ihnen nicht unbedingt zu einem für die Versicherung teuren Prozess raten, können Sie sich denken. (Andererseits wird auch häufig “lockerer” prozessiert, wenn der Anwalt weiss, dass die Versicherung zahlt.)

Sie müssen auf diese Angebote nicht eingehen. Sie haben die freie Wahl des Anwalts! Sie müssen entscheiden, was Ihnen wichtig ist.

 

Weitere empfehlenswerte Links:

Eine Liste der Anbieter und der Leistungen der Stiftung Warentest sowie ein Test von Anbietern.

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator Kurt Schulte Herbrüggen in 47249 Duisburg. Münchener Strasse 78

  • kshduisburg

    Meines Erachtens hatte ihr Professor Unrecht. Ich habe empfohlen, als Autofahrer eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, weil dort das höchste Schadensrisiko ist. Es gibt keine andere Institution, die das abdeckt, vor allem natürlich kein Automobilclub (es gibt allenfalls Automobilclubs, die eine Rechtsschutzversicherung besitzen).

  • Anno Nüm

    Mein Prof. im Versicherungsrecht sagte immer: Eine Rechtsschutzversicherung brauchen Sie nur, wenn Sie ein streitsüchtiger Vermieter sind. Ansonsten bekommen Sie die Leistungen billiger und auch noch zusätzliche Leistungen (Gewerkschaft, Automobilclub, Mieterverein etc)