Scheidungstrick # 2: alle Anwälte abgrasen

Ein teures Vergnügen: Anwaltsblockade

Im Internet findet man einen “Scheidungstrick”, den ich besonders lustig finde: Man soll alle guten Scheidungsanwälte in der Nähe zu einer Beratung aufsuchen und so verhindern, dass sie später den anderen Ehepartner vertreten können, so nachzulesen z.B. im Fokus oder wiwo oder manager-magazin. Ich halte diesen Scheidungstrick für dummes Zeug. Da haben Journalisten ohne Nachzudenken voneinander abgeschrieben. Wenn man einen Anwalt des Vertrauens hat, den auch der andere schon mal beauftragt hat, macht es sicher Sinn, diesen zu beauftragen. Aber nur deshalb, weil man Vertrauen zu ihm hat, nicht um den anderen zu blockieren.

Über die Frage, was ein “guter” Anwalt ist, kann man nächtelang streiten.

Wer für einen “gut” ist, ist es noch lange für einen anderen. Ein bekanntes Phänomen ist der “Ganovenanwalt”. Ein bestimmter Typ Anwalt taucht immer mit dem selben Typ Mandant beim Strafrichter auf und dieser weiss sofort, dass eine Verurteilung jedenfalls nicht ganz falsch sein kann. Genauso weiss ich, wenn bestimmte Anwälte in Familiensachen auftauchen, dass es “Stunk” geben wird. Eine Einigung kann man sich abschminken, Kompromissbereitschaft wird grundsätzlich als Schwäche gedeutet. Da fällt dann die Beurteilung der Frage, ob der Anwalt “gut” für diesen Mandanten ist, objektiv und subjektiv ganz verschieden aus.

Der Scheidungstrick kann teuer werden.

Dass es teuer sein kann, mehrere Anwälte, und sei es nur für eine Beratung aufzusuchen, versteht sich von selbst. Geht man von 230,00 € für eine Erstberatung aus, kann man sich ausrechnen, wann man den ersten Tausender ausgegeben hat. Und dann zieht der andere einen guten Anwalt aus der Nachbarstadt aus der Tasche. Bingo!

Wie dieser Scheidungstrick Sinn macht.

Ich meine, in diesem Scheidungstrick steckt doch ein guter Kern: Wenn man weiss, dass die Scheidung schwierig und teuer werden wird, macht es Sinn, mehrere Anwälte zu einer Erstberatung aufzusuchen. Nicht, um diese Anwälte für den anderen zu blockieren, sondern um zwei wichtige Ziele auf einmal zu erreichen:

  • am Anfang umfassend informiert zu sein und
  • den richtigen Anwalt für sich selbst herauszufinden.

Durch die mehrfache Besprechung des Sachverhalts aus jeweils abweichender Perspektive erreicht man ein vertieftes Verständnis der Probleme und Fragen. Nach meiner Erfahrung bleiben häufig nach der ersten Beratung immer noch Verständnisprobleme und Fragen über. Warum diese Fragen nicht einem anderen Anwalt stellen? Anhand der unterschiedlichen Eindrücke, die sie von den Anwälten bekommen, können Sie ihre Entscheidung, welchen Anwalt Sie beauftragen wollen, auf ein sichereres Fundament stellen. Also vielleicht doch kein schlechter “Scheidungstrick”. Wie Sie den richtigen Anwalt für sich finden, habe ich hier beschrieben: Den richtigen Anwalt finden. Wenn Sie sich zu dem Thema “Was kostet eine Beratung?” informieren wollen, empfehle ich meinen Artikel: Was kostet ein Beratungsgespräch bei einem Scheidungsanwalt? Noch ein Scheidungstipp: Vielleicht hilft Ihnen das weiter: mein E-Book zu Trennung und Scheidung: Scheidung für Anfänger.