Scheidung

Scheidung und Anwalt

Die Scheidung kann im Leben eines Menschen eine Wende bedeuten, ähnlich traumatisch wie beispielsweise der Tod naher Angehöriger.

Deshalb hat für den Anwalt auch die Scheidung als Mandat eine bedeutende weitere Dimension neben der juristischen Ebene: er hat es mit Mandanten zu tun, die nicht nur um Geld kämpfen, sondern auch um ihre Vergangenheit und Zukunft, ihre Kinder und nicht zuletzt ihre persönliche Lebensplanung. Häufig tief verletzt und innerlich erschüttert, wehren sie sich gegen die gutgemeinten (manchmal auch scheinheiligen) Appelle, doch vernünftig zu sein, die von allen Seiten an sie herangetragen werden, weil die Situation sie überfordert.

Dieser Mandant trifft im Anwalt auf einen Berater, der aufgrund seiner einseitigen Ausbildung als Jurist – nach dem -nebenbei falschen-Selbstbild der Juristen der logisch denkende Mensch par excellence – schlecht für diese Situation vorbereitet ist.  Deshalb erschöpft sich die anwaltliche Beratung häufig im “Anleiern” von Verfahren, die  den Zustand nicht verbessern, sondern im Endeffekt verschlechtern.

Diese Vorgehensweise liegt nicht nur im anwaltlichen Selbstverständnis, sondern auch im Interesse des Anwalts,

  • der sich damit auf bekanntem, “sicherem” Terrain bewegt,
  • damit auch seine -legitimen- finanziellen Interessen verfolgt und
  • nicht zuletzt ist ein gerichtliches Verfahren häufig der einzige Weg, die Parteien an einen Tisch zu bringen.

Der Mandant sollte sich dieser Einschränkungen bewußt sein. Ein Anwalt ist kein Psychologe oder Beziehungsberater. Wenn er einen solchen braucht, macht es keinen Sinn, den Anwalt als Ersatz zu mißbrauchen.

Anwälte -und auch Richter- sollten die besondere psychische Lage der Mandanten stärker in Betracht ziehen. Richter sind Entscheider, keine Mediatoren und noch nicht einmal gelernte Unterhändler und auf juristisches Denken trainiert. Für diese Fälle wäre bei beiden mehr Einfühlungsvermögen und Verhandlungswissen wünschenswert.

Scheidung und Geld

Eine Scheidung ist teuer. Einer der Gründe dafür, dass “online”-Scheidung erfunden wurde,  sind die hohen Anwaltskosten. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass dies billiger sei. Abgesehen davon, dass es weder “online”-Scheidung weder existiert noch billiger ist, ist das Scheidungsverfahren zwar nicht wirklich billig, aber keineswegs so teuer wie die fünstelligen Euro-Beträge, die man manchmal hört.

Wenn man es schafft, die Scheidung einvernehmlich zu halten, gibt es verschiedene Möglichkeoiten, eine Scheidung zu verbilligen, beispielsweise:

  • Vertretung im Scheidungsverfahren nur durch einen Anwalt (auch wenn z.B. jeder für die Berechnung des  Unterhalts einen Anwalt hat)
  • Regelung der Vermögensauseinandersetzung, des Zugewinns und des Versorgungsausgleichs durch notariellen Ehevertrag
  • Titulierung der Unterhaltsansprüche der Kinder durch das Jugendamt.

Problematisch ist es, dass beispielsweise Unterhalt einen höheren Gegenstandswert als die Scheidung haben kann. Beim laufenden Unterhalt ist die Basis der 12-fache Monatsbetrag, also bei 800,00 €  = 9.600,00 €.

Der Mindestgegenstandswert bei der Scheidung ist dagegen 3.000,00 €.

Da solche Werte akkumulieren, wird dadurch der gesamte Komplex “Scheidung” teuer.

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Einvernehmliche Scheidung, wie geht das?

 

Autor: Fachanwalt für Familienrecht und Mediator

Kurt Schulte Herbrüggen

47249 Duisburg

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