Einvernehmliche Scheidung

Eine einvernehmliche Scheidung- wie läuft sie ab?

Einvernehmliche Scheidungen laufen nach dem gleichen Schema ab: Normalerweise geht dem eigentlichen Scheidungsantrag nach Ablauf des Trennungsjahres eine Zeit intensiver Beratung voraus, die dann zu einem Ergebnis führt. Dies Ergebnis wird häufig ein notarieller Ehevertrag sein, einfach aus dem Grund, dass das Gestz in vielen Fällen die notarielle Beurkundung vorschreibt. Dies ist beispielsweise der  Fall bei Einigungen über den Verkauf des Hauses, den Unterhalt oder den Versorgungsausgleich. Diese Vereinbarungen können getrennt getroffen werden, aber sollten natürlich in einer notariellen Urkunde zusammengefasst werden.

In der Graphik habe ich deshalb einen grünen Balken eingefügt: zu diesem Zeitpunkt sollten die Vereinbarungen über eine einvernehmliche Scheidung getroffen werden.

Wie beginnt das Scheidungsverfahren?

Das eigentliche Scheidungsverfahren, wenn es also wirklich ernst wird, wird durch einen förmlichen Antrag, gestellt und unterschrieben von einem Anwalt, der eine Verfahrensvollmacht hat, eingeleitet. Der “verfahrenseinleitende Antrag auf Scheidung der Ehe” unterliegt bestimmten förmlichen und inhaltlichen Voraussetzungen.
Sie sollten wissen, was Sie dabei haben sollten:

. Eine Heiratsurkunde (im Original oder beglaubigter Abschrift),

. Die Geburtsurkunden eventuell vorhandener ehelicher Kinder,

. Das Formular zum Versorgungsausgleich bzw die nötigen Unterlagen.

Warum das Formular zum Versorgungsausgleich mit dem Scheidungsantrag  mitschicken?
Das Formular muss nicht unbedingt dem Scheidungsantrag beigefügt sein. Meine Meinung: Wenn Sie aber sowieso beim Anwalt sitzen, kann man dort das Formular auch schon ausfüllen, weil dies in jedem Fall gemacht werden muss.

Möglicherweise müssen Sie sonst wegen dieses Formulars später noch mal zum Anwalt bzw der Anwalt überläßt Ihnen das Ausfüllen des Formulars.  Ich habe kein Verständnis für Kollegen, die so handeln und die das Formular später nachreichen: das ist für Mandant und Anwalt doppelte Arbeit.
Es ist aber nicht nur unnötige Arbeit, sondern es ist meines Erachtens Pflicht des Anwalts, das Formular mit dem Mandanten zusammen auszufüllen. Nur so erhält man einen kompletten Überblick über die vorhandenen Anwartschaften. Das Formular wirkt wie eine Checkliste. Aus diesem Anlass kann man dann auch die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten beim Versorgungsausgleich besprechen.
Das Formular dem Mandanten zuzuschicken und darauf zu hoffen, dass der Mandant es postwendend und richtig ausfüllt, ist häufig naiv.

Nicht zuletzt soll ja eine einvernehmliche Scheidung auch schnell gehen.

Sie bekommen das Formular im Internet.


Es gibt auch immer noch Anwälte, die das Formular nicht vorrätig haben oder nicht in der Lage sind, es im Internet zu finden (Suchwort: V10 ) und es bei Gericht anfordern. Passiert das, wissen Sie (spätestens dann), dass Sie einen Anwalt haben, der keine Routine im Familienrecht hat.

Bringen Sie weitere Unterlagen zum Termin mit


Bringen Sie, um das Formular ausfüllen zu können, zum Gespräch mit:

  • Versicherungsnummer und Versicherungszweig der gesetzlichen Rentenversicherung, bei Beamten: Träger der Versorgung etc.
  • Versicherungsnummer und Versicherungsträger der betrieblichen Altersversorgung,
  • Versicherungspolicen mit Versicherungsnummern und Anschrift der Versicherungsgesellschaft der privaten Altersversorgung).

Ich füge aus Erfahrung diese Unterlagen dem Antrag auf einvernehmliche Scheidung in Kopie bei, denn: Gehen Sie davon aus, dass das Gericht nicht in der Lage ist, selbst die Anschrift der Allianz in München zu finden.

Ein ganz übler Scheidungstrick: die Abtrennung des Versorgungsausgleichs


Ein “Trick”, das Scheidungsverfahren zu verkürzen, ist, eine Abtrennung des Versorgungsausgleichs zu beantragen. Droht sich das Verfahren zu verlängern, kann man nach drei Monaten beantragen, den Versorgungsausgleich abzutrennen. Das setzt voraus, dass die Unterlagen zum Versorgungsausgleich richtig und vollständig eingereicht wurden, s.o..

Wichtig: Die Abtrennung geht nur, wenn der andere Ehegatte zustimmt und auch alle Unterlagen eingereicht hat.. Dies dürfte aber bei einer einvernehmlichen Scheidung eigentlich  kein Problem sein.

Die einvernehmliche Scheidung in der Zielgeraden

Irgendwann kommt die Terminsladung zum Schlusstermin. Gerichte gehen dabei ganz schematisch vor, Sie können auch einen Termin in den Weihnachtsferien bekommen. Die Termine werden auch nicht mit den Anwälten abgestimmt. Manchmal hilft es (aber nur manchmal), vorab geplante Ferienaufenthalte oder Krankenhaustermine dem Gericht mitzuteilen, um eine Verlegung zu vermeiden, weil diese häufig mit erheblichen Verzögerungen verbunden sind.

Der Scheidungstermin: eine häufig enttäuschende Veranstaltung

Bei einvernehmlicher Scheidung ist der Scheidungstermin häufig mit einer gewissen Enttäuschung verbunden, weil er so undramatisch abläuft. Das ganze dauert, je nach Temperament des Richters, zwischen 5 und 15 Minuten. Sie werden gefragt, seit wann Sie getrennt leben (hier bitte nicht patzen!) und ob Sie geschieden werden wollen (doofe Frage natürlich, ab ähnlich wie beim Termin beim Standesbeamten soll sich der Richter persönlich davon überzeugen, dass Sie es ernst meinen).
Dann erzählt der Richter Ihnen noch was über den Versorgungsausgleich, dass Sie möglicherweise nicht verstehen, und dann ist die Sache auch schon zu Ende.

Das Gericht setzt den Gegenstandswert fest

Häufig setzt das Gericht noch den Gegenstandswert für das Verfahren abschließend fest. Nein, die festgesetzten Beträge sind nichts das, was der Anwalt an Honorar bekommt. (Das Gerücht, dass Anwälte Geld scheffeln, kommt wohl von dieser Auffassung.)  Es kann aber trotzdem bedeuten, dass sie noch etwas bezahlen müssen, da die Wertfestsetzung meist höher ist als zum Anfang des Verfahrens, und sei es nur, dass die Werte für den Versorgungsausgleich anfangs nur pauschal festgesetzt wurden und jetzt konkret gerechnet wird.

Die einvernehmliche  Scheidung wird rechtskräftig

Das Scheidungsverfahren ist zu Ende, wenn im Termin auf Rechtsmittel verzichtet wird. Das geht aber nur, wenn beide anwaltlich vertreten sind, weil der Verzicht durch einen Anwalt ausgesprochen werden muss. Wenn nur einer der Eheleute einen Anwalt hat, müssen Sie also das Ende der Rechtsmittelfrist abwarten.

Tipp: Ist einer der Eheleute beim anderen noch familienversichert, sollte auf die sofortige Rechtskraft verzichtet werden, weil man damit Geld verschenkt. Die Familienversicherung endet dann nicht sofort, sondern erst einen Monat später, man muss sich entsprechend erst einen Monat später selbst versichern.

Nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bekommen Sie dann eine Beschlußausfertigung mit einer Bestätigung des Gerichts darauf, dass der Beschluss rechtskräftig wurde. Bitte gut aufbewahren!

Dann sind Sie wirklich am Ende des Scheidungsverfahrens und glücklich geschieden.

Ich berate sie gern.

Wenden Sie sich an:

Fachanwalt für Familienrecht und Mediator

Kurt Schulte Herbrüggen

47249 Duisburg-Buchholz

Münchener Strasse 78

T: 0203 77 27 97

Ich habe weitere Informationen für Sie. Lesen Sie das E-Book “Scheidung für Anfänger.

Sie bekommen es hier: E-Book zu Trennung und Scheidung.