Trennung und elterliche Sorge

Bei dem Thema Trennung,  elterliche Sorge und Besuchsrecht gehen die Vorstellungen häufig durcheinander.

Im Prinzip müssen drei Dinge auseinandergehalten werden:

1. Die elterliche Sorge ist das umfassende Rechte der Erziehungsberechtigten, rechtliche und tatsächliche Umstände des Kindes zu regeln, beispielsweise

die Vermögenssorge ( Beispiel: das Kind hat geerbt), den Aufenthalt, die Gesundheit, Schule und Ausbildung.

Seit der Gesetzesänderung des Jahres 1998 hatte die Trennung und die Scheidung der Eltern keine Entscheidung des Familiengerichts zur elterlichen Sorge zur Folge.  Wenn nichts anderes beantragt wird, üben beide Eltern die elterliche Sorge gemeinsam aus, auch über die Scheidung hinaus. Die Eltern müssen sich also über alle wichtigen Dinge einigen, die das Kind betreffen.

2. Wenn die Eltern getrennt leben oder geschieden sind, gibt es aber immer einen Elternteil, bei dem das oder die Kinder ihren Lebensmittelpunkt haben, sei es mit Einwilligung des anderen Elternteils, sei es aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung. Dieser Elternteil, der die Obhut hat, entscheidet über Angelegenheit des täglichen Lebens allein (aber: nichts sollte ihn daran hindern, den anderen Elternteil zu fragen, wenn er meint, dies sei wichtig oder er weiß, dass es dem anderen Teil wichtig ist).

Einige Beispiele:

  • Operationen sind unter den Eltern abzustimmen,  die Behandlung leichter Erkrankungen  wie zum Beispiel einer Erkältung kann der Elternteil, der die Obhut hat, alleine vornehmen;
  • Wahl von Schule und Ausbildungsart gehören zu den gemeinsamen Entscheidungen der Eltern, Entschuldigungen schreibt der Elternteil, bei dem sich das Kind befindet.

Auch ein Elternteil, der die elterliche Sorge nicht hat, ist über wichtige Entscheidungen des anderen Elternteils zu informieren wie auch über die Entwicklung und Ereignisse im Leben des Kindes im allgemeinen.

3. Außerdem gibt es noch das Besuchsrecht, also den persönlichen Kontakt eines Elternteils mit dem Kind. Dies hat grundsätzlich mit der elterlichen Sorge wenig zu tun. Auch ein Elternteil, der die elterliche Sorge nicht hat, hat ein Besuchsrecht.

Einen Artikel zum Thema Besuchsrecht von mir finden Sie hier. Wie man eine Umgangsregelung vollstreckt, finden Sie hier.

Eltern, die im Interesse ihrer Kinder handeln, brauche nicht über die Frage des Besuchsrechts oder Einzelfragen der elterlichen Sorge durch das Gericht entscheiden lassen, das können Sie selbst. Leider spielt häufig der Konflikt zwischen den Eltern eine Rolle, so dass der Ablauf nicht so ideal ist. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass in 98 % aller Fälle, in denen gerichtliche Verfahren wegen Besuchsrechts oder elterlicher Sorge anhängig gemacht werden, der persönliche Konflikt zwischen den Eltern und nicht sachliche Differenzen die Ursache ist.

Tipp: Eine der Möglichkeiten, den Konflikt zu entschärfen, ist es dem Elternteil, bei dem sich das Kind befindet, eine Vollmacht zu erteilen, bestimmte Aspekte der elterlichen Sorge selbst zu regeln. Dies empfiehlt sich vor allem, wenn der andere Elternteil aufgrund einer größeren Entfernung vom Wohnort des Kindes sowieso nicht in der Lage ist, diesen Teilbereich der elterlichen Sorge auszuüben.

In solchen Fällen kann eine Vollmacht erteilt werden. So können Streitigkeiten , die dadurch entstehen, dass der andere Teil nicht rechtzeitig reagiert oder reagieren kann, vermieden werden. Es wird sich empfehlen, speziell für den Umgang mit Behörden, die Unterschrift notariell beglaubigen zu lassen. Das kostet nur wenige Euro, erhöht aber die Glaubwürdigkeit der Vollmacht.

Hier ein Beispiel für eine Vollmacht für elterliche Sorge, die Sie natürlich beliebig abändern können.