Trennung und Umgang

Trennung und Umgang: es gibt keine Tabelle

Zunächst einmal: Es gibt keine Tabelle oder gar eine gesetzliche Vorschrift, aus der genau abgelesen werden könnte, in welchem Umfang das Umgangsrecht für ein Kind auszuüben ist. Maßstab des Gesetzes ist das Kindeswohl. Das bedeutet, dass Art und Umfang des Besuchsrechts den Umständen anzupassen ist, wobei maßgeblich Faktoren sind wie Alter des Kindes, Zahl der Kinder, persönliche Verhältnisse des besuchsberechtigten Elternteils (beispielsweise: Schichtarbeit) et cetera. Die Festlegung ist also ganz individuell anzupassen.
Meiner Auffassung dazu ist, dass, je jünger das Kind ist, umso häufiger sollten die Besuchskontakte sein. Dafür ist dann möglicherweise die Zeitdauer des Besuchs zu beschränken. Ich meine, kein Vater oder keine Mutter hat etwas davon, wenn sich ein kleines Kind in seiner Umgebung nicht wohl fühlt und zum Beispiel nach der Mutter verlangt.
Es gibt eine vermehrte Zahl von Fällen, in denen sich nicht nur Vater und Kind, sondern auch Vater und Mutter fremd sind, beispielsweise, weil das Kind das Ergebnis eines One Night Stand ist. In einem solchen Fall ist es sicherlich sinnvoll, besonders sensibel mit dem Umgangsrecht umzugehen, um nicht kontraproduktive Wirkungen zu erzielen.

In der Regel sollte es zwei Umgangstermine am Wochenende geben, von freitags nach der Schule bis sonntags abends und daneben weitere Besuchskontakte in der Woche, mindestens ein Kontakt in der Woche, in der das Kind keinen Wochenend-Kontakt mit dem Elternteil hat.
Daneben sind noch die Ferien und die hohen Feiertage wie Weihnachten zu regeln.
Dahinter steht auch das Prinzip, dass das Kind beide Elternteile im Alltag erleben sollte und nicht einen Elternteil als »Bespaßer« am Wochenende und den anderen Elternteil als »Spaßverderber«.

Eine gute Idee: das Besuchsbuch

Ich finde die Idee eines Besuchsbuches gut. Hierin wird eingetragen, was anlässlich der Besucher gemacht wurde und ob irgendwelche Probleme, zum Beispiel gesundheitliche Art, aufgetreten sind. Man kann das ausbauen zu einer Art Tagebuch, dessen Führen Eltern und Kindern gleichermaßen Spaß macht, mit Fotos, Zeichnungen und Texten. Das Kind sieht, dass die Eltern miteinander kommunizieren und nimmt daran Anteil. Das Besuchsbuch kann so zu einer Entspannung in der Kommunikation zwischen den Eltern beitragen und für alle ein wertvolles Erinnerungsstück sein.

Wichtig: die Regelung des Umgangs schriftlich fixieren

Bei Trennung überlegen die Eltern, wie der Umgang aussehen soll. Ich befürworte immer, die Umgangsregelung zwischen den Eltern schriftlich festzuhalten. Eine schriftliche Dokumentation hat einen höheren Bindungswert als eine mündliche Vereinbarung.

Im Stadium der Trennung der Eltern sind diese häufig nicht gut aufeinander zu sprechen. Gerade am Besuchsrecht entzündet sich deshalb häufig der Streit der Eltern. Dies kann nur vermieden werden, wenn sich beide Elternteile penibel an die Umgangsregelung halten.
Ich halte deshalb gerade am Beginn der Trennungsphase eine genau festgelegte Regelung für erforderlich. Jeder Elternteil sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein Abweichen von dieser Regelung zu Auseinandersetzungen führen kann. Bis die Lage sich entspannt hat, was meistens der Fall ist, sollte man sich bemühen, so pünktlich wie möglich zu sein, und den anderen so gut wie möglich zu informieren. Jede Unpünktlichkeit wirkt auf den anderen Elternteil wie eine Provokation.

Information sollte möglichst nicht per SMS geschehen, weil unüberlegte Formulierungen zu Konflikten führen. Nicht zuletzt sollte man daran denken, dass man SMS auch sichern kann und diese im Besuchsverfahren als Beweismittel durchaus eine Rolle spielen können.
Für eine gelungene Kommunikation halte ich deshalb ein Besuchsbuch für geeigneter.